Häufige Argumente gegen Veganismus und was dran ist – Common Statements against Veganism and if they’re valid

Letzte Aktualisierung: 14.06.2021

Wenn man sich mit anderen Menschen über eine vegane Lebensweise unterhält, dann begegnet man immer wieder denselben Argumenten, die angeblich gegen den Veganismus sprechen.

Das Kartenspiel „Karnibla“ des Artgenossen mit den dümmsten Ausreden für das Fleischessen

Bevor ich im Rahmen meiner Ernährungsumstellung, um wieder gesund zu werden, eine vegane Ernährungsweise für 4 Wochen ausprobiert und allein die gesundheitlichen Vorteile davon am eigenen Leib erfahren habe, gehörte ich leider selbst zu den Menschen, die übliche Anti-Veganer-Sprüche unhinterfragt reproduzieren.

Nicht aus Boshaftigkeit, sondern eher daher, weil ich mich nie zuvor wirklich ernsthaft bemüht habe, mich sachlich mit der Thematik zu befassen. Zum einen, weil einige dieser üblichen Argumente mir als reine Schlagworte logisch erschienen. Zum anderen aber unterbewusst wahrscheinlich auch deswegen, weil der Veganismus meinen Lebensstil infrage gestellt hätte und ich mich dann aus meiner Komfortzone hätte herauswagen müssen, um die Diskrepanz zwischen meinen Überzeugungen und Werten auf der einen Seite und meinem Handeln auf der anderen Seite zu überwinden.

In anderen Bereichen unseres Lebens empfinden wir derartige Argumentation als völlig unsinnig. Aber wenn es gegen den Veganismus geht, halten viele diese Diskussionsführung für akzeptabel.

Ich kenne diese Seite also auch und verstehe, wenn andere dies tun wie ich damals. Und genau deswegen möchte ich auf meiner Website und insbesondere an dieser Stelle dazu ermutigen, sich ebenso wie ich in der Frage selbstkritisch zu betrachten, zu reflektieren und sich damit auseinander zu setzen, ob an diesen Argumenten überhaupt etwas dran ist, oder sie nicht vielmehr einfach dazu dienen sollen, erlernte Gewohnheiten und Muster zu schützen und zu rechtfertigen, um seine bisherige Lebensweise nicht hinterfragen zu müssen und den Status quo bewahren zu können, weil man sonst eventuell auf unbequeme Fakten und Widersprüche stoßen könnte.

Dr. Melanie Joy erklärt die gesellschaftlich verankerte, institutionalisierte und damit für die Meisten unsichtbare Ideologie des Karnismus, in der wir alle aufgewachsen sind und leben. (englisch mit deutschen und anderen Untertiteln)

Die Psychologin Dr. Melanie Joy beschreibt die dahinter stehende, für uns unsichtbare, da institutionalisierte Ideologie sehr treffend, und vergleicht sie mit früheren ungerechten Gesellschaftsmodellen wie etwa der Sklaverei, die denselben Mustern folgten, aber durch von Minderheiten eingeleiteten Fortschritt abgelöst wurden. Sie nennt diese vorherrschende, destruktive Ideologie „Karnismus“, das Gegenmodell zum Veganismus. (Hier als illustrierte Version im englischen Original und mit deutscher Synchronisation) In dem Zusammenhang wird auch von „Speziesismus„, der Diskriminierung von Lebewesen aufgrund ihrer Spezies, gesprochen, hier von Earthling Ed anschaulich erklärt (englisch). Tierrechtsaktivist Gary Yourofsky sieht darüber hinaus den Speziesismus als Basis aller anderen Formen von Diskriminierungen, auch gegenüber Menschen.

Die Ausbeutung von Tieren ist in unserer Gesellschaft so normal und omnipräsent, dass sie von den meisten nie infrage gestellt wird, bis sie direkt damit konfrontiert werden. – The Exploitation of animals is so normal and omnipresent in our society, that it is not questioned by most of us, until we get directly confronted with it.

Zu den üblichen Argumenten, die wiederholt gegen den Veganismus angeführt werden, ist kürzliches das Buch „Vegan ist Unsinn!: Populäre Argumente gegen den Veganismus und wie man sie entkräftet“ des Ernährungswissenschaftlers Niko Rittenau, des Tierrechtsaktivisten Ed Winters (auch bekannt als Earthling Ed) und des Humanisten und Tierrechtsaktivisten Patrick Schönfeld (auch bekannt als Der Artgenosse) erschienen. Eine Playlist zu den Inhalten des Buches findet man auf dem Kanal von Niko Rittenau.

Die drei Autoren des Buches „Vegan ist Unsinn“ erklären, wie man richtig auf solche Vorurteile reagieren kann, um die Menschen zum Nachdenken zu bringen, ohne ihnen das Gefühl zu geben, sie als Menschen anzugreifen.

Zudem führen Earthling Ed, Tierrechtsaktivisten Joey Carbstrong und Humane Hancock sowie die Tierrechtsorganisation Anonymous for the Voiceless regelmäßig Debatten mit Passanten in der Öffentlichkeit, um sie für das Thema zu sensibilisieren und ihnen dabei zu helfen, ihre Vorurteile gegen den Veganismus zu beleuchten.

Außerdem helfen sie den Menschen dabei, die Marketingtricks der Industrie, die uns mit hinter Fabrikwänden verstecktem und somit unsichtbarem Leid produzierten Tierprodukte in sämtlichen Facetten unseres Lebens (Nahrung, Kleidung, Kosmetik, Medizin, aber selbst Baustoffe, wie etwa Kleber und Leime) verkaufen wollen und dabei auf unsere Uninformiertheit und Ignoranz bauen, zu durchschauen. Diese Diskussionen veröffentlichen sie auf ihren Youtube-Kanälen.

Joey Carbstrong in Debatten mit Passanten, die die 15 häufigsten Rechtfertigungen von Nutztierhaltung reproduzieren und im Austausch häufig selbst merken, dass sie sich mit ihrer eigenen Logik widersprechen (englisch)

Zu den ständig wiederkehrenden anti-veganen Argumenten hat Der Artgenosse einzelne Videos veröffentlicht, in denen er sie argumentativ widerlegt und deren Transkripte man auf seiner Website jeweils nachlesen kann. Seine bisher behandelten Vorurteile und Scheinargumente dazu:

Der Artgenosse über den Vorwurf, der Veganismus sei „extrem“ oder eine Form von „Extremismus“.

Auch Niko Rittenau reagiert auf verschiedene Vorurteile und Falschaussagen in Bezug auf den Veganismus und zeigt dabei die Diskrepanz dieser Scheinargumente zur tatsächlichen wissenschaftlichen Datenlage auf. Hier seine Reaktionen auf

Der Artgenosse darüber, wie Argumente gegen vegane Ernährung oft hämisch aufgegriffen und reproduziert, aber solche gegen Fleisch als falsch oder unwichtig verunglimpft werden, weil sie das eigene Weltbild in Frage stellen

Als ich auf die Videos des Artgenossen gestoßen bin, habe ich mich schon fast ein Jahr lang „flexigan“, das heißt überwiegend vegan ernährt und nur noch sehr selten, vielleicht ein oder zwei mal im Monat, tierische Produkte gegessen.

Je mehr seiner Videos ich mir angeschaut habe, umso mehr wurde mir klar, dass der nächste logische Schritt für mich ist, mich auch von diesen wenigen Ausnahmen zu verabschieden, die ich mir ab und zu noch gegönnt habe mit dem einzigen verbliebenen Argument „weil’s schmeckt“. Denn wenige Minuten Genuss waren für mich einfach nicht mehr Rechtfertigung genug, um ein Leben voller Leid zu verursachen, das dazu noch unseren Planeten zerstört und in anderen Teilen der Welt Menschen hungern lässt.

Earthling Ed zählt gängige Argumente gegen den Veganismus auf und warum diese nicht valide sind, wenn man sie logisch zu Ende denkt. (englisch)

Denn das war am Ende das einzige Argument, das mir noch blieb: „Es schmeckt halt.“ Dabei sind die meisten tierischen Produkte sehr leicht zu ersetzen oder ganz entbehrlich, wozu es später noch einen eigenen Beitrag geben wird. (Spoiler: Dieser Artikel kann evtl. schon einige Tipps geben, die für eine Umstellung hilfreich sind.)

Wir tun es bloß meistens nicht, weil tierische Produkte normal, omnipräsent und damit bequem und leicht zu bekommen sind. Sie zu meiden, heißt gegen den Strom zu schwimmen, Mehraufwand betreiben und teilweise auch höhere Preise zahlen zu müssen, da gerade Milchprodukte in der EU stark subventioniert sind, wie Earthling Ed anschaulich erklärt, und in Deutschland dazu noch mit dem niedrigeren Mehrwertsteuersatz belegt sind, während man für pflanzliche Milchalternativen den vollen Mehrwertsteuersatz bezahlen muss.

Antivegane Argumente auf Fleischesser angewandt macht deren Widersprüche sehr deutlich.

Aber die angebliche Ersparnis beim Kauf tierischer statt pflanzlicher Produkte zahlen wir alle später um ein Vielfaches nach, in Form von gesundheitlichen Schäden, Umweltschäden, Pandemien, Entwicklungshilfe für von uns ausgebeutete Drittstaaten etc.

Wer allgemeine Tipps für eine Umstellung auf eine vegane Ernährung und Lebensweise sucht, kann über die Veganuary-Challenge viele Ratschläge und weiterführende Seiten finden, die einem eine schrittweise Abkehr von tierischen Produkten erleichtern. Auch meine Rezeptsammlung und Literaturempfehlungen halten viele tolle Seiten bereit, die ohne Tierprodukte auskommen. Zu den gesundheitlichen Vorteilen einer vollwertigen veganen Ernährung findet ihr hier weitere Infos.

Glaubt mir, so schwierig und unmöglich es einem anfangs vielleicht erst einmal erscheinen mag: Es ist es wert! Und es wird immer einfacher! 😀

Das Einzige, was ich in dem Zusammenhang bereue, nach knapp drei Jahren Ernährungsumstellung und zwei Jahren komplett veganer Lebensweise ist, dass ich es nicht schon viel früher gemacht habe!!! 🙂

Karnismus, die Matrix, in der wir alle gefangen sind, bis wir uns entscheiden, die Realität anzuerkennen statt auszublenden

7 Kommentare zu „Häufige Argumente gegen Veganismus und was dran ist – Common Statements against Veganism and if they’re valid

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